"Am Grevendiek" (auch andere Schreibweisen liegen uns aus der weiter zurückliegenden Am Grevendiek nach der Restaurierung - mit HeimatstubeZeit vor) ist eine alte Flur- und Hausbezeichnung, deren Ursprung heute nicht mehr auszumachen ist.
Wie eine Flurkarte aus der Zeit um 1840 vermuten läßt, ist sie auf einen kleinen Bach ("Graben "), der in unmittelbarer Nähe des Hauses zu zwei Teichen aufgestaut war, zurückzuführen.
Der Große Kurfürst gewährte am 19. Juli 1649 dem Kirchspiel Sprockhövel das Privileg , vier Jahrmärkte abzuhalten.
In einer sich darauf beziehenden Verordnung vom
l9. Mai 1656 heißt es:

“... es sollen alle Kirspels Eingesessene, klein und groß, ihr habendes Vieh negsten Mittwoch (d.h. am Tage vor Christi Himmelfahrt) morgentz umb acht uhren, am Grevendiek zum Kaufe presentiren, folgenden Donnerstag aber sollen alle Kirmeskrämer uff der Brinkegge (d.h. im Unterdorf) ihre Hütten bauen.”

In einem weiteren Dokument vom 19. Oktober 1683 wird angeordnet, daß am Tage vor
Simon und Judas - in jenem Jahr ein Mittwoch - "Viehmarkt am Grevendiek" sei.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen,

"...daß selbigen Tags um 1 Uhr die gnädigst verordnete Betstunde in der Kirche observiret und nicht verabsäumt werde."

Offensichtlich entwickelten diese Vieh- und Jahrmärkte ihre Eigengesetzlichkeit, so daß die
pietistisch ausgerichtete Synode 1768 (5./16. Juli) darauf beharrte,

“diese sündliche Unordnung verbieten (zu) lassen”.

"Am Grevendiek" hat also seinen wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Stellenwert.
Das gegenwärtige Gebäude wurde durch Ratsbeschluß vom 1. Juli 1995 unter Denkmalschutz gestellt. In der zusammen mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege erarbeiteten Begründung heißt es u.a.:
"Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte der Wohnverhältnisse der ,normalen’ Bevölkerungsschicht Sprockhövels.
. . . Es ist ... Dokument eines selten gewordenen, früher aber weit verbreiteten Haustyps in Sprockhövel sowie ein Dokument der Fachwerkbauweise der Zeit kurz vor 1800.”

Am Grevendiek vor der RenovierungDie niedrige Geschoßhöhe und die Aufteilung der Räume bereiteten bei der Sanierung und Restaurierung Schwierigkeiten.
Im Gespräch zwischen dem neuen Eigentümer und den Denkmalbehörden wurde eine Lösung gefunden, die einer sinnvollen Nutzung und dem Denkmalcharakter gerecht wird. Ein altes Photo, das einen leicht zurück- springenden, zu Beginn dieses Jahrhunderts durch Brand zerstörten Anbau zeigt, erleichterte die Entscheidung, die Wohn-
                                                                           und Nutzfläche zu erweitern.
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde neben dem bereits bekannten Gewölbekeller ein zweiter freigelegt. Beide sind heute in die Heimatstube integriert. Ähnlich verhielt es sich mit dem durch eine Sandsteinplatte abgedeckten Hausbrunnen, der in der früher üblichen Trockenmauerweise gebaut ist. Sein genaues Alter ist noch schwerer zu bestimmen als das des Hauses selbst. Er könnte schon zum Vorgängerbau gehört haben. Durch eine moderne Glaskonstruktion ist der Brunnen in die Heimatstube einbezogen.
Im Erdgeschoá des Hauses “Am Grevendiek" fand der Heimat- und Geschichtsverein mit seiner Sammlung (Schwerpunkte: Bergbau und Alltagskultur) eine Bleibe. Mit gewisser Berechtigung kann man das kleine Museum als “die Gute Stube Sprockhövels” bezeichnen.
Der Umbau des Denkmals beweist, daß Altes und Neues durchaus eine harmonische
Verbindung eingehen können.

Ludger Haverkamp

Am Grevendiek