Jahreshauptversammlung 2002 am 16.Apr.02 im Vortragsraum der Sparkasse NSpr.
nach Erledigung der Formalitäten hält uns Herr Jürgen Uphues einen Vortrag unter dem Titel
Die Isenburg bei Hattingen - eine außergewöhnliche Geschichte
Herr Uphues ist Denkmalpfleger der Stadt Hattingen und als Stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Isenburg e.V. auch Custos der Isenburg
Begrüßung und Rechenschaftsbericht durch
den 1. Vorsitzenden Ludger Haverkamp.
Nach einstimmiger Entlastung des Vorstandes wurden zwei weitere Beiratsmitglieder aus dem “harten Kern” der Aktiven nachgewählt.
Werner Hagedorn,
bekannt durch sein Angagement bei der jährlichen Weihnachtsausstellung und bei sonstigen Führungen in der Heimatstube und
Karl Sandmann, bekannt durch seine diversen Präsentationen und Öffentlichkeitsarbeiten.
interessierte Zuhörer,
vorn Laptop und Beamer, um Bilder vom Jubiläum und von der InternetSite zu den entsprechenden Themen des Jahresberichtes auf die Leinwand zu projezieren.
Herr Jürgen Uphues vor seinem interessanten Vortrag über die Geschichte der Isenburg.
Der Vortrag wurde ebenfalls mit modernsten elektronischen Präsentationsmitteln wie Laptop und Beamer gehalten.
Eckdaten zur Geschichte der Isenburg und einige Bilder folgen weiter unten.
Nach dem Vortrag bedankt sich
Ludger Haverkamp bei Herrn Uphues und wünscht ihm noch weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit zur Erhaltung der Isenburg.
Einige Daten und Bilder, die uns der Verein zur Erhaltung der Isenburg und
Herr Jürgen Uphues freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Weitergehende Informationen erhalten Sie auf der Website der Isenberger.
Graf Friedrich von Isenberg und die Isenburg
vor 1190 Friedrich als zweiter Sohn des Grafen Arnold von Altena geboren.
1193
Adolf von Altena, jüngerer Bruder des Grafen Arnold, wird Erzbischof (EB) von Köln
und damit Herzog von Westfalen.
1194 - 1199
Bau der Dynastenburg Isenberg durch Adolf mit Hilfe seines Bruders Arnold auf
einem Burglehen der Abtei Werden, deren Vogt Graf Arnold ist.
nach 1195
Friedrich kommt zu seinem Onkel EB Adolf nach Köln und wird als Zweitgeborener
für ein hohes kirchliches Amt ausgebildet.
1198
EB Adolf krönt in Aachen den Welfen Otto, den jüngeren Sohn Heinrichs des Löwen,
zum König.
1200
Urkundlich belegt: Familientag auf der Isenburg unter Leitung von EB Adolf.
Anwesend Graf Arnold mit den wichtigsten Ministerialen. Graf Everhard, der älteste
Sohn Arnolds wird von EB Adolf als Burggraf der Isenburg eingesetzt.
1205 Urkundlich belegt: Friedrich als Domherr in Köln
um 1209
Tod des Vaters und des Bruders Everhard. Friedrich gibt sein kirchliches Amt auf
und tritt das Erbe als Graf von Altena an.
1209
König Otto IV. wird in Rom zum Kaiser gekrönt.
1210 - 1212 Friedrich v. A. weilt im engsten Gefolge des Kaisers in Italien und unterzeichnet
kaiserliche Urkunden.
1212 Kaiser Otto IV. wieder in Köln. Friedrich v. A. prägt kölnische Münzen mit seinem
Namen „Comes Fridericus“. (Graf Friedrich)
1214 Friedrich v. A. heiratet Sophie von Limburg, Tochter Walrams III., Herzog von
Limburg (Maas) und Graf von Luxemburg. Die Stammburg steht an der
deutsch-französischen Sprachgrenze in der Nähe der Maas.
1214 7. Juli Entscheidungsschlacht um die Macht im Reich bei Bouvines, östl. von Lille,
zwischen den Welfen (Kaiser Otto IV.) und den Staufern (König Friedrich II.).
Otto wird vernichtend geschlagen.
1215
Der Staufer Friedrich II. wird in Aachen zum König gekrönt.
1216 Hauptprobst Engelbert von Berg wird für seine Verdienste um die staufische Partei
EB von Köln und Herzog von Westfalen. König Friedrich II. ernennt ihn zum
Reichsfürsten.
1216
nach Caesarius von Heisterbach: Die Äbtissin des Reichsstiftes Essen, häufig in Köln,
beschwert sich bei EB Engelbert über Graf Friedrich von Altena als Vogt der Abtei.
1217
Heinrich von Limburg, der Bruder von Sophie von Limburg, heiratet Irmgard von Berg,
die Erbtochter des Grafen Adolf von Berg.
1217
Belehnung des Grafen Friedrich von Altena mit der Burg Isenberg und weiteren Kölner
Lehen. Graf Friedrich nennt sich seit Juli 1217 „Graf Friedrich von Isenberg“.
1218
Graf Adolf von Berg stirbt bei der Belagerung von Damiette. EB Engelbert verweigert
seiner Nichte, der Tochter des Grafen und Schwägerin von Sophie von Isenberg die
Herausgabe des väterlichen Erbes und nennt sich selbst „Graf von Berg“.
1220
Adelskrieg zwischen EB Engelbert und den Limburgern wegen der Grafschaft Berg.
1220 22. November König Friedrichs II. wird in Rom zum Kaiser gekrönt. Er beruft
EB Engelbert zum Kanzler und Verweser des Reiches und überträgt ihm die
Erziehung seines Sohnes Heinrich.
1221
Dekrete des Papstes Honorius III. an EB Engelbert, die Vögte an ihre Pflichten
gegenüber der Kirche zu mahnen. EB Engelbert nutzt diese Schreiben zur Übernahme
der Vogteirechte in die Hände der Kirche, d.h. Enteignung des ererbten Vogteibesitzes
des Adels an Rechten, Pflichten und Einkünften.
1221 Friedrich v. I. läßt seinen kirchlichen Vogteibesitz aufzeichnen. Präambel zur
“Großen Vogteirolle” „Damit nicht irgendeiner dem Grafen oder seinen Erben
Unrecht zufügen könnte...“.
1223
EB Engelbert überträgt die Vogteirechte über die Abtei Siegburg für sich und seine
Nachfolger der Kölner Kirche.
1225
2.-7. November Adelstag in Soest
Friedrich von Isenberg lehnt die Übergabe der Vogteirechte am Stift Essen an
EB Engelbert und die Kölner Kirche auch gegen Zahlung einer Jahresrente ab.
1225
7. November Überfall auf EB Engelbert auf der Rückreise nach Köln. um ihn nach
geltendem Recht (Sachsenspiegel) in Geiselhaft zu nehmen. Der Versuch der
Gefangennahme durch Ritter und Mannschaften Friedrichs von Isenberg als Kopf
einer Adelsverschwörung gegen die drohende Enteignung scheitert.
Der EB wird schwer verwundet und stirbt am selben Abend an seinen Verletzungen.
1225
Heinrich von Molenark wird zum EB von Köln gewählt. Er ruft zur Rache auf und
setzt ein Kopfgeld von 2.100 Mark Silber (491,2 kg) aus. Über Friedrich werden
Reichsacht und Kirchenbann verhängt.
1226 Winter Friedrich von Isenberg reist mit seinen Brüdern nach Rom zum Papst,
um die Absolution vom Kirchenbann zu erreichen.
1225/26 Übergabe und Zerstörung der Isenburg durch Vasallen der Kölner Kirche
(u.a. der Graf von der Mark). Gräfin Sophie erhält freien Abzug.
Sie stirbt 1226 in Limburg.
1226
Friedrich von Isenberg wird bei Lüttich erkannt, gefangengenommen und nach
Köln ausgeliefert.
Hinrichtung am 14. November 1226 vor dem Severinstor: Ihm werden Arme und
Beine zerschlagen, er wird auf das Rad geflochten und auf einer Steinsäule zur
Schau gestellt.
nach 1226
Kampf um das isenbergische Erbe
Graf Adolf von der Mark beansprucht den isenbergischen Besitz und läßt
Burg Blankenstein errichten, um den Wiederaufbau der Isenburg zu verhindern.
Dietrich von Isenberg, Friedrich v. I. ältester Sohn nimmt den Namen seiner Mutter an
und gründet Burg Limburg an der Lenne (Hohenlimburg).
1241/42 baut Graf Dietrich von Isenberg-Limburg bei Essen die „Neu-Isenburg“, um seine
Ansprüche auf das Stift Essen zu wahren. Belagerung, Kapitulation und Übergabe
an die Kölner Kirche.
1243
1. Mai Vertrag von Essen
Endgültiger Zusammenbruch der isenbergischen Landesherrschaft. Graf Dietrich von
Isenberg-Limburg verbleibt nur Burg Limburg an der Lenne.
Der Besitz der Isenberger fällt an den Grafen von der Mark.
nach 1288 Die Grafen von der Mark haben sich von der Kölner Kirche gelöst.
Die Grafschaft Mark bleibt bis in das 19. Jahrhundert bestehen.
Der Isenberg seit dem 19. Jahrhundert
6. Mai 1841 Landwirt und Steinhauer J.H. Ruhrmann erwirbt die Ruine und beginnt sie
auszuschlachten.
19. Juni 1855 Hofbaumeister Josef Custodis erwirbt die Ruine und läßt ein kleines
Rasthaus mit Remise errichten.
um 1860 Custodis erweitert ohne Rücksicht auf die Mauern der Isenburg das Rasthaus zu
einem romantisch-klassizistischen Wohnhaus als „Palas mit Bergfried“.
Ausführung durch den Steinhauermeister Wilhelm Oberstenfeld unter Verwendung
mittelalterlicher Werksteine. Die Unterburg wird eingeebnet und ein parkähnlicher
Garten angelegt.
14. März 1863
Custodis verkauft Haus und Grundstück an Oberstenfeld für 4.500 Thlr.
. Oberstenfeld gründet eine Handelsgesellschaft mit wechselnden Teilhabern, um den
Isenberg als Steinbruch zu nutzen.
1863 - 1937 Zerstörung der NO-Seite des Berges durch den Steinbruchbetrieb mit
angeschlossener Ziegelei. Die Ringmauer auf dieser Seite geht fast vollständig verloren.
um 1920
Protestbewegung im mittleren Ruhrgebiet gegen die Zerstörung der Landschaft durch
die Industrie.
Der Isenberg mit seinen dauernden Sprengungen gilt allgemein als Symbol.
1922 Rektor E. Frei, Weiltorschule in Hattingen, schreibt das Proteststück
„Der sterbende Berg“ und führt es mit seinen Schülern auf dem Isenberg im Wald
vor dem Halsgraben auf.
1932/33
Hauptschullehrer Karl Vaupel gründet die „Freilichtspiele Isenberg“ und richtet mit
freiwilligen Helfern eine Freilichtbühne mit 2.000 Sitzplätzen ein. Dazu wird ein Teil
der Südwand des Halsgrabens herausgesprengt. Einweihung am 3.9.1933 mit der
Uraufführung des historischen Schauspiels „Friedrich von Isenberg“. Mit Beginn des
2.Weltkrieges müssen die Aufführungen eingestellt werden.
1937 Das Amt Hattingen kauft den Steinbruch mit der Ruine und Haus Custodis vom
letzten Steinbruchbesitzer, der Fa. Werhahn in Neuss.
1970 Beginn der Ausgrabungen auf dem Isenberg. Haus Custodis wird als Gaststätte
aufgegeben.
1985 Haus Custodis wird durch Brandstiftung zerstört, ab 1988 Wiederaufbau durch
Stadt Hattingen mit ABM-Kräften.
Ausgrabung und Erhaltung
1965/66
plant der Blatzheim-Konzern, Köln den Bau eines Hotels auf dem Isenberg.
Da die Existenz einer Burganlage bekannt ist, verweigert das Landesdenkmalamt
Münster seine Zustimmung zum Verkauf. Dr. Heinrich Eversberg, Kreisheimatpfleger
und Lehrer am Gymnasium Waldstraße, erhält den Auftrag, den Umfang der
vorhandenen Burgreste zu ermitteln.
19. September 1966 Gründung der „Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Isenburg“
als freiwillige Schülerarbeitsgemeinschaft am Gymnasium Waldstraße. Aus dringlichen
archäologischen Gründen wird die Arbeitsgemeinschaft zuerst in der Burg Altendorf
eingesetzt. Bezeichnung durch die Altendorfer: „Buddel-AG“. Wegen der kommunalen
Neugliederung müssen die Arbeiten in Altendorf im Herbst 1969 eingestellt werden.
Die Buddel-AG wird zum Isenberg umgesetzt.
1970 Beginn der Ausgrabungsarbeiten auf dem Isenberg am Bergfried, der Kapelle und
dem Wohnturm.
1976
Der Grabungsleiter Dr. Eversberg erreicht die Altersgrenze. Gründung des
„Vereins zur Erhaltung der Isenburg e.V.“. Auf Wunsch des Landesdenkmalamtes
mit Einverständnis der Schulbehörde leitet Dr. Eversberg die Schülerarbeits-
gemeinschaft bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Schuldienst 1980 weiter.
Nach 1980 führt der Verein zur Erhaltung der Isenburg e.V. die von der Schülerarbeits-
gemeinschaft begonnenen Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten fort.
Heute
sind die Ausgrabungsarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Die Hauptaufgabe des
Vereins besteht in der Erhaltung der Ruine. Neben der weiteren Erforschung der
Burg sind die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation weiter in den
Vordergrund gerückt. Eine Ausstellung im Erdgeschoß von Haus Custodis soll die
Geschichte von Burg und Berg darstellen.
Herausgeber:Verein zur Erhaltung der Isenburg e.V. (1995)
Quelle:Eversberg, H.: Graf Friedrich von Isenberg und die Isenburg, Hattingen 1989.
Grundriß:Dipl.-Ing. Ferdinand Kaulen
Der Isenberg heute,
im Frühjahr 2002
© 2000-03 HGV - optimiert für 800 x 640 und mittlere Schriftgrößen.
• Ausführung und Gestaltung: Sandmann - Web ♦ e-mail •