Unser Haus „Am Grevendiek“ –
Heimat und Schatztruhe
Die vermutliche Entstehung dieses Hauses
Der Name „Am Grevendiek“ bedeutet altdeutsch „Am Grabenteich“. Ein Quellbach floss hier durch einen Graben und speiste zwei Teiche, die als Löschteiche und als Trinkwasserspeicher für das Vieh genutzt wurden. Das erste Haus an diesem Platz wurde vermutlich vor beinahe 400 Jahren (1650/1660) erbaut. In den vielen Jahren danach wurde natürlich mehrfach um- und angebaut.
Das Fundament des Gebäudes besteht aus heimischem Sandstein, sicher abgebaut in einem der zahlreichen Steinbrüche, die es viele Jahre lang bei uns gab.
Darüber befindet sich ein mehrgeschossiger Aufbau aus Fachwerk. Zwischen dem Raum mit dem Ofen und dem heutigen Versammlungsraum kann man den damals typischen Aufbau der Wände mit Weidengeflecht, Stroh und Lehm sehen.
Wir befinden uns hier in einem typischen Bürgerhaus der damaligen Zeit mit Wohnräumen und Stall in einem. Im tieferen Teil des Hauses wurden die Tiere (Kühe, Schweine, Schafe) gehalten und es war somit der Stall. Das wärmte auch.
Der 6 m tiefe Hausbrunnen wurde erst bei der Renovierung (1996/1997) wiedergefunden. Er war mit einer großen Bruchsteinplatte bedeckt, die jetzt direkt vor dem Eingang liegt.
Die Straße lag damals wesentlich tiefer, nämlich auf der Höhe des Hauseingangs; sie wurde später für die 1884 eröffnete Bahnlinie höher gelegt.
Das heutige Aussehen
Wie soeben erwähnt wurde das Haus – auch um es vor dem endgültigen Verfall zu retten – in den Jahren 1996/1997 umfangreich renoviert und ausgebaut.
An der Seite wurde ein Treppenhaus angesetzt und das Dachgeschoss (früher Futter- und Heulager) wurde ausgebaut.
Damit wurde das Haus neben der Einrichtung des Museums im Untergeschoss auch für Wohnzwecke nutzbar gemacht.
Im Inneren des Hauses befindet sich unsere „Schatztruhe“.
Einige der „Schätze“ stellen wir hier vor.
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Bergmannslade
– ein Beispiel aus unserer großen Schatztruhe
… eine Zunftlade, die eindeutig dem Bergbau zuzuweisen ist.
Der ca. 70 x 45 x 45 cm große Kasten ruht auf vier abgeflachten Knauffüßen. Auf beiden Längsseiten findet sich je zweimal das Bergbau-Symbol Schlägel und Eisen als Intarsien (Einlagen in dunklerem Holz). In gleicher Technik ist auf der Oberseite die Jahreszahl 1783 eingelassen.
Auf dem Deckel befindet sich eine abschiebbare Platte aus hellerem Holz. Unter ihr verbirgt sich ein Schlüsselloch, auf das zwei Schlüssel (aus Eisen bzw. Messing) passen, die nacheinander gegenläufig bewegt werden müssen. Der Deckel kann dann etwa bis zu halber Höhe waagerecht gehoben werden.
Die Zunftlade besticht durch ihr schlichtes Aussehen, aber auch durch die auf sie verwandte handwerkliche Fertigkeit und Genauigkeit.
Der Kasten diente wahrscheinlich als Aufbewahrungsbehältnis für wichtige Dokumente einer Gruppe von Grubenbesitzern, sog. Gewerken (die im früheren Sinne eine „Gewerkschaft“ bildeten). Die Akten und Papiere (Mutungs- und Verleihungsurkunden, Anteilseignerlisten, Verträge, Jahresberichte, Abrechnungen, Grubenrisse etc) wurden darin flach gelagert. Um manipulierende Eingriffe in den Dokumentenbestand zu verhindern, verfügten zwei unterschiedliche Personen über die Schlüssel. Denkbar ist, dass die Lade nur auf offiziellen Versammlungen in Gegenwart aller Gewerken geöffnet wurde. So war es bei den mittelalterlichen Zünften Brauch.
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Die Grubenlampen
Licht ist für den Bergmann ein unverzichtbares Gut, ohne das er seine Arbeit nicht verrichten kann: „Ein Bergmann ohne Licht ist ein armer Wicht‟ (deutsches Sprichwort). Der Bergbau erforderte bereits früh eine Beleuchtung, um arbeiten und Erz oder Kohle von taubem Gestein unterscheiden zu können.
Ihr charakteristisches Aussehen erhielten die Grubenlampen durch die Verbindung mit einem kräftigen Haken, der ihre Befestigung am Ausbau, zum Teil auch der Bekleidung oder dem Helm, erlaubte. Charakteristisch waren Froschlampen, Tunnellampen, Kugellampen (zum Beispiel „Staßfurter Kugel‟) und Blenden (zum Beispiel Freiberger Blende, Marienberger Blende).
Während im Altertum Lampen aus Ton verbreitet waren, wurden die Lampen der Neuzeit aus Eisenblech oder Messing (vor allem die Lampen der Aufsichtspersonen und Lampen für Präsentationszwecke, beispielsweise bei Bergparaden) angefertigt.
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Unsere Bergbarte
Zu den Kostbarkeiten, die der Heimat- und Geschichtsverein in seiner Heimatstube birgt, zählen zweifellos die beiden Bergbarten.
Sie stammen aus dem Erzgebirge. Ursprünglich war die Barte eine Waffe. Die wortgeschichtliche Verwandtschaft mit der Hellebarde bestätigt diese frühere Funktion. Speziell den Knappen im Silberbergbau von Harz und Erzgebirge erschien das Tragen von Waffen angeraten, denn das von ihnen geförderte wertvolle Erz weckte bei Fremden Begehrlichkeiten, gegen die man sich wappnen musste. In späterer Zeit dienten die Barten der Repräsentation, beispielsweise bei Bergparaden und anderen feierlichen Anlässen. Vom Hauer an aufwärts war den im Bergbau Tätigen das Tragen der Barte erlaubt.
Die beiden Barten der Heimatstube sind der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zuzuweisen. Die eine ist mit Intarsien (Walrosszahn oder Elfenbein) kostbar geschmückt. Die zweite trägt die Jahreszahl 1731. In ihren Stiel sind Szenen aus dem Bergmannsleben, eingefasst von frommen Sprüchen, eingeritzt. In Höhe des Bartenblattes ist auf dem Stielrücken Christus am Kreuz eingraviert. Die Knappen hielten beim Gebet die Barte so, dass sie den Gekreuzigten unmittelbar vor Augen hatten.
Die Barte ist vor allem für das Erzgebirge typisch. Bei Traditionsveranstaltungen im Ruhrgebiet hingegen trägt der Knappe neben der Knappentracht den Häckel (Meterlatte). Der Heimatverein dokumentiert in bescheidenem Maße auch den sächsischen Bergbau, denn von dort und aus dem Harz kamen im 17. und 18. Jahrhundert erfahrene Bergleute, die zur. Entwicklung unseres Bergbaus erheblich beigetragen, haben.
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Goldwaagen aus der „Sprockhöveler Fabrik“
In den Jahrzehnten etwa zwischen 1750 und 1840 hatten die Produkte der Sprockhöveler Schmiede europaweit einen guten Ruf. Sie stellten Fabrikate her, die in ihren Qualitätsansprüchen halbwegs zwischen den Erzeugnissen der Hufschmiede und denen der Gold- bzw. Silberschmiede standen.
Den Goldschmieden am nächsten kamen die Goldwaagenhersteller. Sie fertigten für einen fast unbegrenzten Markt ihre Goldwaagen. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein gab es eine größere Zahl von Goldwährungen. Jede Goldmünze – ob nun Dukat, Gulden, Guinee, Carolin, Louisdor, Maxdor, Pistol oder Severin – hatte ihr eigenes Gewicht hatte. Bankiers, Kaufleute, Händler oder gar einfache Hausierer brauchten ein zuverlässiges Instrument, um den echten Wert einer Münze richtig abzuschätzen.
Dazu dienten Goldwaagen. Sie liegen in einem meist schwarzen Kästchen und bestehen aus den wesentlichen Elementen Waagebalken, Zeiger und Waagschalen. Das Kostbarste an den Goldwaagen sind jedoch die Gewichte. Sie müssen sorgfältig „geeicht“ (bzw. „kalibriert“ und „justiert“) werden. Da die Goldmünzen durch intensiven Gebrauch auch an Gewicht verlieren können, sind in jedem Kasten feine Ausgleichsgewichte, die genaue Auskunft über den Abrieb der Münzen geben.
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konzentrierte sich die Goldwaagenherstellung an der bergisch-märkischen Grenze (Solingen, Lennep, Radevormwald, Elberfeld, Wichlinghausen, Schwelm, Horath, Obersprockhövel). Zu den bekanntesten Vertretern dieser Zunft gehörten die Gebrüder Poppenberg, ansässig auf dem Kotten Poppenberg in Obersprockhövel. (Heute übrigens Haus Nockenbergstraße 26, die Station Nr. 3 am Agenda-Weg Obersprockhövel)
Sie müssen Goldwaagen unterschiedlicher Art (s. Fotos) in großer Stückzahl produziert haben. Überall in Deutschland und darüber hinaus finden sich heute noch in musealen und privaten Sammlungen Beispiele ihrer handwerklichen Kunst, so auch nach der Feststellung eines glaubwürdigen Gewährsmanns in einem kleinen, heimatstubenähnlichen Museum im finnischen Karelien, unweit der Grenze zu Russland.
Der Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel zeigt in einer Vitrine seine eigenen Poppenberg–Goldwaagen und einige uns als Leihgabe zur Verfügung gestellte Exemplare auch anderer Hersteller.
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Zwei unserer Bügeleisen
„Plätten oder Bügeln, diejenige Arbeit, mittels deren man Geweben, insbesondere der Wäsche, durch Bestreichen mit der Bodenfläche eines erhitzten Metallkörpers, Plätteisen oder Bügeleisen, Glätte und Glanz verleiht“ – so umschreibt etwas umständlich Brockhaus Konversations-Lexikon von 1898 eine zum Alltag speziell der weiblichen Mitglieder eines Haushalts gehörende Tätigkeit.
Das Instrument dieser häuslichen Arbeit, das Bügeleisen, hatte damals schon eine längere Entwicklung hinter sich. In ihrer reichen Sammlung hat die Heimatstube einige Exemplare dieser Spezies zur Verfügung. Eine Auswahl wollen wir dem interessierten Publikum vorstellen.
Bügeleisen sind seit dem Spätmittelalter, spätestens seit dem 15. Jahrhundert, in Europa bekannt. Die ersten sind mit Sicherheit aus Volleisen. Sie hatten ihr Gewicht. Unser schwerster Vertreter wiegt mehr als acht Kilogramm. Seine Handhabung war nicht einfach. Man wird sie eher den starken Händen eines Schneiders oder Hutmachers zugemutet haben. Auch diese Plätteisen konnte man mit einem abhebbaren Griff versehen, so dass man sie wechselweise auf der Herdplatte erhitzen konnte.
Eine Erleichterung bedeutete die Einführung des Hohl- oder Kasteneisens. Ein im Herdfeuer erhitzter Eisenbolzen wird in den Hohlraum des Bügeleisens geschoben, das danach mit einer Klappe verschlossen wird. Die kluge Hausfrau hatte sprichwörtlich immer „mehrere Eisen im Feuer“, so dass der Vorgang des Plättens beim Auswechseln des Bolzens (auch „Ochsenzunge“ genannt) nur kurzfristig unterbrochen wurde.
Problematischer war ein anderes Hohlbügeleisen: Es wurde mit eingefüllter glühender Holzkohle oder Glut aus dem Herd erhitzt. Zum Zwecke des Auffüllens war es aufklappbar. Großer Beliebtheit konnte es sich nicht erfreuen. Durch die Lüftungsschlitze konnten Funken oder Asche austreten und der Wäsche Schaden zufügen. Zudem trat der unangenehme und auch gesundheitsschädliche Rauch durch den „Schornstein“ aus, der häufig zum Gerät gehörte.
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Die Dröppelminnas
Die Kranenkanne, regional umgangssprachlich auch Dröppelmina (Bergisches Land, von Dröppel für Tropfen und Minna für Wilhelmine, die Hausdienerin), Dröppelminna (Nordwestdeutschland) oder Dreckpott (im Saterland) genannt, ist eine bauchige Kaffeekanne mit drei Füßen, später mit einem Fuß, und einem oder mehreren Zapfhähnen. Sie wurde aus verschiedenen Materialien hergestellt, am häufigsten aber aus Metall, vor allem aus Zinn. Um den Kaffee warm zu halten, wird unter die dreifüßige Kanne ein Stövchen gestellt. Aufgebrüht wird der Kaffee in einem anderen Gefäß. Bekannt sind auch Kranenkannen aus Feinsteingut mit einer Bemalung aus Delfter Blau oder Strohhalmdekor.
Die Kranenkanne gelangte wahrscheinlich über Holland im 18. Jahrhundert nach Norddeutschland und ins Bergische Land. Seit das Kaffeetrinken im 19. Jahrhundert erschwinglicher und beliebter wurde, rückte die Kaffeekanne stärker in den Mittelpunkt des gedeckten Tisches. Diese Kaffeekanne hatte jedoch einen Nachteil: Der in der Kanne verbleibende Kaffeesatz – Kaffeefilter waren noch unbekannt – verstopfte nach dem ersten Aufdrehen den Ausguss, der dann mit Hilfe eines Federkiels o. Ä. gereinigt werden musste. Der Kaffee floss nicht mehr in die Tasse, er tropfte (er „dröppelte‟).
Dies und ihre rundliche, angeblich an eine Hausmamsell erinnernde Form verhalf dieser Kanne regional zu dem Beinamen „Dröppelminna‟.
Zur besseren Verarbeitung des Hauptmaterials Zinn wurde zunächst auch häufig Blei in nicht zu geringen Mengen verwendet. Erst als man die gesundheitlichen Auswirkungen dieses Stoffes erkannte, reduzierte man das Blei – aber erst nach und nach – aus den Zinngerätschaften wie Besteck, Trinkgefäßen usw. Neues Zinngeschirr darf heute kein Blei mehr enthalten bzw. abgeben.
Nach 1825 wurden die Kranenkannen allmählich durch andere Kannen mit Ausgusstülle verdrängt. Heute gehört die Dröppelmina zu jeder traditionellen Bergischen Kaffeetafel.
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Eisplatz von Egon Erlbruch
Unser „Wimmelbild‟ – Der alte Mühlenteich als Eisplatz:
Etwa dort, wo heute die Markt-Hallen von „trinkgut‟ und „Fressnapf‟ stehen, befand sich einst ein großer Teich, der das Wasser zum Antrieb der Wassermühle speicherte („Heiers Mühle‟). Unser großes Bild im Eingangsraum zeigt winterliches Treiben auf dem zugefrorenen Teich.
Im Hintergrund unsere „Zwiebelturmkirche‟ und ein Schornstein (?) von Alte Haase.
Der Maler Egon Erlbruch (1911 – 1934)
Der Heimatverein besitzt viele Bilder des Sprockhöveler Bürgers und begabten Malers Egon Erlbruch. Deshalb beschäftigen wir uns hier mit seiner – recht kurzen – Lebensgeschichte.
Lebenslauf
1911 – Egon wird geboren als Sohn der Bäckerfamilie Erlbruch (Bäcker über viele Generationen – in der Mühlenstraße, gegenüber der Volksbank).
1915 – Als Vierjähriger gerät er in die Teigmaschine, der rechte Arm wird ihm abgerissen bzw. muss amputiert werden; damit gibt es in der damaligen Zeit eigentlich keine berufliche Perspektive.
Er beginnt zu zeichnen.
Er besucht die anerkannte Rektoratsschule, „da kann man etwas werden‟. Seine Lehrer erkennen sein künstlerisches Talent.
1925 – Besuch der Gewerbekunstschule Wuppertal, finanziert von Sprockhöveler Kaufleuten.
Lehre in einer Bochumer Druckerei, Ausbildung zum Setzer bzw. Buchdrucker.
Anschl. Stipendium für Studium in München.
Fortsetzung des Studiums in Paris an der Sorbonne.
1934 – Im heißen Sommer bekommt er beim Baden in der Marne einen Hitzschlag, versucht sich an einem Boot zu retten, ertrinkt aber im Alter von 23 Jahren.
Die Bilder hier in der Heimatstube malte er im Alter von 16 und 17 Jahren.
Zwei kleine Anekdoten
In der Bahn malte er an die beschlagenen Fensterscheiben – jeder konnte sich erkennen!
Er war befreundet mit Wilhelm Hillmann; „Dönekes‟ von Wilhelms Vater hat er aufgeschrieben und an die Zeitung verkauft.
Wie dies war seine künstlerische Tätigkeit auch Teil seiner „Überlebensstrategie“.
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